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Michael Zahlheimer

19.2.2026

Handtherapie

Sehnenscheidenentzündung am Daumen (De-Quervain-Tendovaginitis)

Was hilft wirklich? Schiene, Handtherapie, Ursachenerkennen, Ergonomie & Ernährung:

Bei der De-Quervain (Sehnenscheidenentzündung am Daumen) schmerzen Daumen und Handgelenk auf der Daumenseite, weil zwei Daumensehnen in einem engen „Sehnentunnel“ laufen. Wenn dieser Tunnel durch häufige Nutzung gereizt ist (z. B. Smartphone, Tragen eines Kindes, Haushalt, Maus/Keyboard, Gaming), schwillt das Gewebe an. Dann wird es noch enger – die Sehnen gleiten schlechter und es tut mehr weh.


Unser Ziel ist, diesen Kreislauf zu stoppen: Gezielt entlasten (Schiene), Reizung senken (z. B. kühlen/Lastmanagement), Gleiten verbessern (Handtherapie+ Sehnengleiten), Schmerzen schonend modulieren (z. B. TENS) und anschließend langsam wieder belastbar machen. Dazu kommen Alltagsergonomie und auf Wunsch entzündungsarme Ernährung als Zusatzbaustein.

 

1) Was ist De-Quervain – wo sitzt das Problem?

Bei der Sehnenscheidenentzündung am Daumen liegt die Reizung am radialen Handgelenk (Daumenseite). Betroffen ist das 1. Strecksehnenfach: Dort verlaufen die Sehnen von

  • M.     abductor pollicis longus (APL) und
  • M.     extensor pollicis brevis (EPB)
        unter einem straffen Halteband (Retinaculum extensorum) durch einen engen Kanal.

 

2) Warum schwillt das an – und warum entsteht eine Reibung?

2.1 Der Tunnel ist eng – und reagiert schnell

Der Sehnenkanal ist von Natur aus eng. Schon kleine Veränderungen (mehr Flüssigkeit, verdicktes Gleitgewebe) reichen, damit es „klemmt“.

2.2 Häufige Bewegung + ungünstiger Winkel = mehr Druck

Bestimmte Bewegungen erzeugen genau dort hohen Stress:

  • viel  Daumenabspreizen/-strecken (Wischen, Greifen, Umgreifen)
  • Handgelenk Richtung Kleinfinger abknicken
  • oft mit Kraft (Tragen, Heben, Schrauben, Tragen von Kindern)

Dadurch wird die Sehne stärker gegen die Tunnelwand gedrückt (Kompression) und gleitet unter mehr „Scherung“ (mehr Reibung).

2.3 Reizung → Schwellung/Verdickung → noch enger(Teufelskreis)

Bei Überlastung entstehen mikrofeine Reizungen. Der Körperreagiert mit:

  • Schwellung/Ödem (mehr Flüssigkeit im Gewebe)
  • Reizung des Gleitapparats (tenosynovial)
  • ggf. Verdickung der umgebenden Strukturen

Dann wird der Tunnel enger, die Sehne gleitet schlechter –der Schmerz verstärkt sich.

2.4 Zusatzfaktor: „Trennwand“ im Sehnenfach

Bei vielen Menschen ist dieses Sehnenfach durch ein Septum in zwei kleine Teilkanäle geteilt. Das kann die Beschwerden verstärken, weil schlicht weniger Platz vorhanden ist.

 

3) Typische Beschwerden – so zeigt es sich im Alltag

  • Schmerz an der Daumenseite zum Handgelenk hin, stechend beim Greifen/Heben
  • Druckschmerz oder gar ein Loslassschmerz beim Greifen, manchmal Schwellung
  • Schmerzen bei: Smartphone, Tragen von Kindern, Deckel öffnen, Putzen, Maus/Keyboard, Gaming
  • häufig:     man „schont“ automatisch → Hand wird starrer, Daumen wird weniger genutzt

4) Unser Behandlungskonzept (Hand- & Ergotherapie)

A) Erstmal Ruhe in den Kreislauf bringen: Reizung senken

Wir starten meist mit einem Paket aus:

  • Kühlen (kurz, gezielt)
  • Hochlagern (Herzhöhe) / Entlastungspausen
  • Trigger reduzieren (die typischen Auslöser identifizieren)
  • bei  Bedarf TENS (sanfte Schmerzmodulation, damit Bewegung wieder möglich wird)

Wichtig: Nicht „alles vermeiden“, sondern klug dosieren.

 

B) Schienenversorgung: gezielte Entlastung statt wochenlang „komplett ruhig“

Ein zentraler Baustein ist die Daumen-Handgelenk-Schiene(Thumb-Spica). Sie:

  • reduziert die provokante Kombination aus Daumenbewegung + Handgelenksabknicken
  • beruhigt die Engstelle mechanisch
  • schützt  im Alltag, ohne Sie komplett „auszuschalten“

Wir fertigen und passen thermoplastische Schienen individuell an (Druckstellenkontrolle, Tragezeiten, Alltagstauglichkeit).

C) Handtherapie: Gleiten verbessern, Schutzspannung reduzieren, Beweglichkeit erhalten

Wenn die Reizung etwas runtergeht, arbeiten wir gezielt an:

  • schmerzadaptierter  Mobilisation (ohne in den Schmerz reinzugehen)
  • Sehnengleitübungen (dosiert, kontrolliert – damit die Sehne wieder besser gleitet)
  • Weichteiltechniken an Unterarm/Daumen (Schutzspannung reduzieren)
  • ggf.  Tapeversorgung (entlastend/führend im Alltag)

 

D) Geräteunterstützung – sinnvoll dosiert eingesetzt

Je nach Befund nutzen wir ergänzend:

  • TENS:  sanfte Schmerzmodulation, sehr gut dosierbar
  • Therapeutischer  Ultraschall: Gewebemodulation/Weichteilvorbereitung (phasengerecht)
  • NOVAFON/Vibration: Tonusregulation der Unterarmmuskulatur (z. B. Schutzspannung reduzieren)
  • Paraffinbad:  v. a. bei chronischer Verspannung/Steifigkeit (nicht bei akut „heißer“  Reizung)

 

E) Alltagsergonomie: die größten Auslöser schnell entschärfen

Smartphone

  • weniger „Daumenwischen“ (mehr Zeigefinger/Sprachfunktion)
  • Gerät  höher halten (Handgelenk neutral)

Tragen von Kindern

  • Tragehilfe/Grifftechnik so, dass der Daumen nicht permanent „abgespreizt“ hält
  • Seitenwechsel  und kurze Entlastung

Haushalt

  • größere Griffe, Öffnerhilfen, zwei Hände
  • Drehbewegungen  abstützen, Handgelenk neutral

Computer/Gaming

  • Unterarmauflage,  Microbreaks
  • Griffhaltung  anpassen, Handgelenk nicht dauerhaft abknicken

 

F) Langsamer Belastungsaufbau, damit es nicht chronisch wird

Sobald die Beschwerden stabiler sind, steigern wir die sanfte Aktivierung und Koordination, achten auf dosierte Wiederholungen mit Pausen. Später steigern wir dann die Kraftdosierung, die Griffkraft, sowie die Unterarmstabilität und stellen einen Alltagstransfer her

Leitprinzip: kleine, häufige Reize statt selten „zuviel“.

 

5) Entzündungsarme Ernährung als Zusatzbaustein

Ernährung ersetzt keine Therapie – kann aber helfen, die gesamtentzündliche Belastung zu reduzieren.

Praktische Empfehlungen

  • hochwertige Fette: Olivenöl, Nüsse/Samen, Omega-3-Quellen
  • viel  Gemüse (bunt), Hülsenfrüchte, Vollkorn
  • weniger stark verarbeitete Lebensmittel, weniger Frittiertes, Transfette meiden
  • Zucker-Snacks reduzieren, ausreichend trinken
  • regelmäßige  Bewegung (ohne Daumen zu überlasten) – auch Spaziergänge zählen

 

FAQ – Häufige Fragen

Wie lange dauert De-Quervain-Erkrankung?

Das ist individuell. Viele Fälle bessern sich mit Schiene +Therapie + Ergonomie innerhalb von Wochen. Entscheidend ist die Konsequenz im Alltag – aber auch nicht zu lange Ruhigstellen.


Muss ich mein Handgelenk komplett ruhigstellen?

Meist nicht. Ziel ist gezielte Entlastung und gleichzeitig sichere Bewegung, damit keine Steifigkeit und keine falschen Schonmuster entstehen. (nicht als Dauereinrichtung – nur so kurz wie möglich ruhigstellen


Was ist besser: Kühlen oder Wärme?

Bei akuter Reizung häufig Kühlen. Wärme/Paraffin eher, wenn es chronisch-steif/verspannt ist. Wir entscheiden nach Befund.


Welche Übungen helfen?

Schmerzadaptierte Mobilisation und Sehnengleiten – aber richtig dosiert. Zu frühe, kräftige Wiederholungen können verlängern.


Können Smartphone und Gaming wirklich Auslöser sein?

Ja, weil sie oft hohe Wiederholungsfrequenz + ungünstige Winkel kombinieren. Mit Ergonomie und Pausen ist oft viel möglich.


Wann sollte ich ärztlich abklären lassen?

Bei starken Ruheschmerzen, deutlicher Überwärmung/Schwellung, Taubheit/Kraftverlust, nach Unfall oder wenn es trotzkonsequenter Maßnahmen nicht besser wird.


Welche Schiene ist bei einer Daumensehnenscheidenentzündung am besten?

Meist bewährt sich eine Daumen-Handgelenk-Orthese(Thumb-Spica / Daumen-Handgelenk-Schiene). Wichtig ist, dass Daumen und Handgelenk so geführt werden, dass die provokante Kombination aus Daumenabspreizen/-strecken und Handgelenksabknicken reduziert wird. Entscheidend ist die individuelle Anpassung (Druckstellen, Alltagstauglichkeit, Tragezeiten) – daher ist ein thermoplastischer Schienenbau oder eine passgenaue Orthese oft zu überlegen.

Was kann ich beim Tragen meines Kindes tun, wenn Schmerzen auftreten?

Das Tragen von Kindern ist ein häufiger Trigger, weil oft ein dauerhafter Spreiz- und Haltegriff über den Daumen entsteht. Hilfreich sind:

  • Tragehilfe/Position so anpassen, dass die Last näher am Körper liegt (weniger Haltekraft im  Daumen)
  • Handgelenk  neutral halten (nicht zur Kleinfingerseite abknicken)
  • Seitenwechsel   + kurze Entlastung (Microbreaks)
  • bei  Bedarf Schiene während belastender Phasen + ggf. Tape als  Ergänzung
    In der Therapie zeigen wir konkret, wie Sie Grifftechnik und Trageposition verändern können.
       
       

Wann ist bei De-Quervain eine Operation notwendig?

Eine Operation wird meist erst dann diskutiert, wenn eine konsequente, konservative Behandlung (Schiene, Ergonomie, Handtherapie,Belastungssteuerung) über längere Zeit keine ausreichende Besserung bringt oder wenn Beschwerden wiederholt stark zurückkehren. Dann kann ärztlich eine operative Dekompression/Spaltung des 1. Strecksehnenfachs erwogen werden. Die Entscheidung trifft der behandelnde Arzt (Handchirurgie/Orthopädie)anhand Verlauf und Befund.

Welche Übungen helfen bei De-Quervain – und welche sollte ich vermeiden?

Hilfreich sind schmerzadaptierte Mobilisation und dosierte Sehnengleitübungen, die das Gleiten verbessern, ohne die Engstelle zu reizen. Vermeiden sollte man anfangs:

  • hohe Wiederholungszahlen mit intensivem Daumenwischen (Smartphone)
  • kräftige Greif-/Haltearbeit mit abknickendem Handgelenk
  • „Dehnungen in den stechenden Schmerz hinein“
    Wir geben ein Programm, das Phase, Reizzustand und Belastbarkeit     berücksichtigt.
       
       

Wie unterscheide ich De-Quervain von Rhizarthrose(Daumensattelgelenkarthrose)?

Beide können Schmerzen an der Daumenseite machen, aber:

  • De-Quervain: Schmerz eher am radialen Handgelenk über dem Sehnenfach, oft bei Daumenabspreizen und Handgelenksabknicken.
  • Rhizarthrose:  Schmerz eher an der Daumenbasis (Daumensattelgelenk), häufig bei  Pinzettengriff, Drehen/Schrauben, längerem Belasten. Die sichere Abgrenzung erfolgt klinisch und ggf. ärztlich – sie ist     wichtig, damit Schiene und Übungen passend gewählt werden.

 


Haftungsausschluss / medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie ersetzen nicht die persönliche Untersuchung, Diagnose und Beratung durch Ärztinnen/Ärzte oder anderes medizinisches Fachpersonal und stellen keine individuelle Therapieempfehlung dar (keine Ferndiagnose). Bitte nutzen Sie die Hinweise mit gesundem Menschenverstand und stets eigenverantwortlich. Bei anhaltenden, zunehmenden oder unklaren Beschwerden sowie bei starken Schmerzen, deutlicher Schwellung/Überwärmung, Taubheitsgefühl, Kraftverlust oder nach Unfall/Trauma wenden Sie sich bitte umgehend an Ihre behandelnde Ärztin/Ihren behandelnden Arzt bzw. an den ärztlichen Notdienst. Für Schäden oder Unannehmlichkeiten, die aus der Anwendung der hier dargestellten Informationen entstehen, wird trotz der sorgfältigen Recherche und Ausarbeitung keine Haftung übernommen.

Über den Autor: Michael Zahlheimer

Ich bin Michael Tann Zahlheimer, examinierter Ergotherapeut mit über 23 Jahren Berufserfahrung. Seit mehr als zehn Jahren widme ich mich mit großer Leidenschaft ausschließlich der Handtherapie.
Als Diploma geprüfter und zertifizierter Handtherapeut (AfH) sowie zertifizierter Neurohandtherapeut (AfH) steht für mich die individuelle, sorgfältige Begleitung meiner Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt.

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Ergotherapie Zahlheimer ist eine ergotherapeutische Praxis mit Schwerpunkten auf neurologische Ergotherapie, Handtherapie sowie Kinder-Ergotherapie.

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