In unserer heutigen Gesellschaft, wo Bewegung oft durch sitzende Tätigkeiten eingeschränkt wird, sind Arthrose und Arthritis leider keine Seltenheit mehr. Diese degenerativen Gelenkerkrankungen können starke Schmerzen verursachen und die Lebensqualität erheblich einschränken. Die gute Nachricht ist: Mit gezielten Maßnahmen in der Ergo- und Handtherapie können Betroffene deutlich an Lebensqualität gewinnen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Ergotherapie und speziell Handtherapie helfen können, die Beschwerden bei Arthrose und Arthritis zu lindern und was Sie selbst dazu beitragen können.

Verstehen, was Arthrose und Arthritis bedeuten

Arthrose bezeichnet den Verschleiß von Gelenkknorpel, der im Laufe des Lebens oder durch übermäßige Belastung entsteht. Arthritis hingegen ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die verschiedene Ursachen haben kann, darunter autoimmune Prozesse. Beide Zustände führen zu Schmerzen, Steifigkeit und eingeschränkter Beweglichkeit der betroffenen Gelenke.

Eigenbehandlung von Arthrosen:

Für die häusliche Behandlung von Arthrose und Arthritis gibt es verschiedene Ansätze, die Symptome wie Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen lindern können. Die Wahl der Behandlungsmethode hängt von der spezifischen Erkrankung (Arthrose oder Arthritis) und dem aktuellen Zustand des Patienten ab.

Für die Arthrose empfohlene Behandlungsmethoden:

  • Wärmebehandlungen: Warme Wickel oder Heizkissen können bei Arthrose schmerzlindernd wirken, da sie die Durchblutung fördern und Muskelverspannungen lösen. Sie eignen sich besonders für chronische Beschwerden, sollten aber bei akuter Entzündung vermieden werden.
  • Paraffinwachsbäder: Speziell für die Hände kann ein Paraffinwachsbad die Beweglichkeit verbessern und Schmerzen lindern. Es fördert die Durchblutung und wirkt entspannend auf die Muskeln.

Für die Arthritis empfohlene Behandlungsmethoden:

  • Kälteanwendungen: Kühle Gel-Packs oder kalte Wickel helfen, Entzündungen und Schwellungen zu reduzieren. Sie sollten besonders bei akuten Entzündungsschüben angewendet werden, um die Schmerzen zu lindern.
  • Hochlagern und sanfte Lymphdrainage-Massagen: Das Hochlagern der betroffenen Gliedmaßen kann helfen, die Schwellung zu reduzieren. Sanfte Massagen können ebenfalls förderlich sein, um die Lymphflüssigkeit in den betroffenen Bereichen zu bewegen und somit Schwellungen zu mindern.

Allgemeine Hinweise

  • Schmerzsalben: Salben mit entzündungshemmenden Wirkstoffen, wie z.B. Diclofenac (in Voltaren enthalten), können direkt auf das betroffene Gelenk aufgetragen werden, um Schmerzen und Entzündungen zu lindern. Es ist wichtig, die Verträglichkeit und eventuelle Allergien gegen solche Präparate zu beachten.
  • Bewegung: Während bei Arthrose moderate Bewegung empfohlen wird, um die Gelenke geschmeidig zu halten, sollte bei akuter Arthritis-Beschwerde Ruhe bewahrt und die betroffenen Gelenke geschont werden.

Die Rolle der Ergo- und Handtherapie

Ergotherapie und speziell die Handtherapie spielen eine entscheidende Rolle in der Behandlung und Management von Arthrose und Arthritis. Durch individuell angepasste Therapieprogramme zielen Ergotherapeuten darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Funktion der Hände und Gelenke zu verbessern und damit die allgemeine Lebensqualität zu steigern.

Gelenkschonende Techniken und Hilfsmittel

Eine zentrale Strategie ist das Erlernen gelenkschonender Techniken. Ergotherapeuten vermitteln, wie Sie Ihre Gelenke im Alltag weniger belasten können, etwa durch den Einsatz ergonomisch gestalteter Hilfsmittel oder durch die Anpassung der Bewegungsabläufe bei täglichen Aktivitäten.

Aufbau und Schutz des Knorpels

Durch gezielte Übungen, die auf die Stärkung der die Gelenke umgebenden Muskulatur abzielen, kann der Druck auf die Gelenke reduziert werden. Dies hilft, den vorhandenen Knorpel zu schützen und die Produktion der Synovialflüssigkeit, die als natürliches Schmiermittel in den Gelenken fungiert, zu fördern.

Selbstmanagement und Aufklärung

Ein wesentlicher Aspekt der Ergo- und Handtherapie ist die Aufklärung der Patienten über ihre Erkrankung und die Vermittlung von Techniken zum Selbstmanagement. Dies umfasst auch Ratschläge zur Ernährung und zu Übungen, die Patienten eigenständig zu Hause durchführen können.

Gelenkschonendes Arbeiten

  1. Ergonomische Arbeits- und Hilfsmittel: Verwendung von ergonomisch gestalteten Werkzeugen und Hilfsmitteln, um die Belastung auf die Gelenke zu minimieren.
  2. Kräfteschonende Techniken: Anwendung von Techniken, die das Heben und Tragen mit minimaler Belastung für die Gelenke ermöglichen.
  3. Vermeidung von Extremstellungen: Halten der Gelenke in mittleren Bewegungsbereichen, um extreme Positionen und Überlastungen zu vermeiden.
  4. Gleichmäßige Belastungsverteilung: Verteilung der Belastung auf mehrere Gelenke und Muskeln, um Überbelastungen einzelner Bereiche zu verhindern.

Aufbau und Erhaltung von Knorpel

  1. Ausgewogene Ernährung: Eine Ernährung reich an Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und Mineralien (z.B. Vitamin C, D, Calcium) unterstützt den Knorpelaufbau und die allgemeine Gelenkgesundheit.
  2. Moderate Bewegung: Regelmäßige, gelenkschonende Bewegungsformen wie Schwimmen oder Radfahren unterstützen die Ernährung des Knorpels durch die verbesserte Synovialflüssigkeitsproduktion.
  3. Gewichtskontrolle: Das Halten eines gesunden Körpergewichts reduziert die Belastung auf die Gelenke, insbesondere auf die der unteren Extremitäten.

Förderung der Synovialflüssigkeit

  1. Regelmäßige Bewegung: Bewegung fördert die Produktion von Synovialflüssigkeit, die als Schmiermittel für die Gelenke dient.
  2. Hydratation: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unterstützt die viskose Konsistenz der Synovialflüssigkeit.
  3. Spezifische Übungen: Bestimmte Übungen, die auf die Mobilisierung der Gelenke abzielen, können die Synovialflüssigkeit in den Gelenken stimulieren.

Allgemeine Prinzipien

  • Individualisierte Behandlungspläne: Jeder Patient benötigt einen auf seine Bedürfnisse und Fähigkeiten zugeschnittenen Behandlungsplan.
  • Aufklärung und Selbstmanagement: Patienten sollten über gelenkschonende Techniken im Alltag aufgeklärt werden und lernen, wie sie diese selbstständig anwenden können.

Die Umsetzung dieser Prinzipien und Techniken kann dazu beitragen, die Gelenkgesundheit zu erhalten und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Eine fortlaufende Fortbildung und Anpassung der Therapiemethoden an aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse sind für Ergotherapeuten unerlässlich, um eine effektive Behandlung zu gewährleisten.

Wichtige Hinweise:

Diese Informationen bieten einen allgemeinen Überblick und ersetzen nicht die individuelle Beratung durch eine Fachperson. Jede Behandlung sollte auf die persönlichen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt und mit einem Arzt oder Therapeuten abgesprochen werden.

Es ist essenziell, dass Patienten ihren gesunden Menschenverstand einsetzen und die Übungen gemäß ihren individuellen Fähigkeiten und Schmerzgrenzen durchführen. Bei Unsicherheiten oder Verschlechterungen ist stets die Konsultation einer Fachperson ratsam. Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel allgemeine Informationen bietet und nicht den Rat eines Arztes oder Therapeuten ersetzen kann. Jede Therapie sollte auf die individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten des Patienten abgestimmt sein.